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Münchehofe - Ortsteil

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Geschichte

 

Die urkundliche Ersterwähnung von Münchehofe erfolgte im „Landbuch“ von Kaiser Karl IV. (1375/76). Doch wahrscheinlich seit ca. 1180 wird hier bereits ein deutsch besiedeltes Bauerndorf bestanden haben, gegründet von „Neusiedlern“, die man hierher auf slawisches Gebiet „umgesetzt“ hatte. Es fand sich kein Beleg dafür, dass es von einem Kloster als Wirtschaftshof („Mönchshof“) gegründet worden ist oder - wie Hönow - sich zeitweilig im Besitz eines Klosters befunden hat. Im Unterschied zu anderen brandenburgischen Dörfern gleichen Namens fand sich in keinem der überlieferten Klosterbücher ein Vermerk zu unserem Münchehofe bei Dahlwitz.

Als „Dorfherren“  werden die Gebrüder v. Storkow genannt. In späteren Urkunden tauchen die Namen weiterer Adelsfamilien auf: v. Krummensee, v. Gröben, v. Klitzig, Graf Lynar und v. List. Erwähnenswert ist die Belehnung des kurfürstlichen „Türknechts“ Heinrich Michel mit dem Dorf (1488), weil seitdem die Erpetal-Mühlen von Ravenstein und Heidemühle bis ins 19.Jh. hinein als fest „zu Münchehofe gehörig“ geführt werden. Letzteres galt auch für das Areal um den „Hohen Krug bei Dahlwitz“ an der Frankfurter Chaussee.

Der häufige Besitzerwechsel lässt darauf schließen, dass die Feudalabgaben der Münchehofer Bauern nicht besonders attraktiv waren. Im Ergebnis des Dreißigjährigen Krieges (1618 - 1648) soll das Dorf sogar völlig „wüst“ gefallen sein. Ein gewisser Aufschwung setzte offenbar ein, als Münchehofe 1677 vom Kurfürsten erworben und dem „Schatull-Amt“ Köpenick zugeordnet wurde. Dieses hatte mit seinen ca. 15 Dörfern für den Lebensunterhalt des „Kurprinzen“ (des späteren preußischen Königs Friedrich I.) aufzukommen. Eine Ziegelei in Münchehofe lieferte darüber hinaus Ziegel für den Erweiterungsbau am Köpenicker Schloss.

Die Schatull-Ämter wurden bald in normale „staatliche“ Domänen-Ämter umgewandelt, die von jeder „Privatisierung“ strikt ausgeschlossen bleiben sollten. Dennoch gelang es dem versierten Verwaltungsfachmann Samuel v. Marschall, der vom Postmeister in Wusterhausen zum stellvertretenden Sekretär im Kabinett des Königs aufgestiegen war und bereits das Rittergut Dahlwitz erworben hatte, das Veräußerungsverbot zu umgehen. Er kaufte einem Kriegsrat v. Happe das Gut Rieben (bei Beelitz) eigens zu dem Zweck ab, es seinem Landesherrn als Tauschobjekt für die beiden Domänen-Dörfer Münchehofe und Rahnsdorf anzubieten. Der Plan gelang und so wurde Münchehofe über mehrere Generationen hinweg zu einem Teil des Güterimperiums der jeweiligen Rittergutsbesitzer von Dahlwitz.

 

Wesentliche Veränderungen für das dörfliche Leben brachten zu Beginn des 19. Jh. die preußischen Agrarreformen. Zunächst konnten die 10 Hüfner (Vollbauern) Münchehofes in die persönliche und wirtschaftliche Unabhängigkeit entlassen werden (Diensteablösung). Dafür mussten sie dem Dahlwitzer Gutsherrn, einem Enkel von Samuel v. Marschall, ein Drittel ihrer Ländereien überlassen. Aus den übrigen beiden Dritteln der Feldmark wurden zusammenhängende Ackerflächen gebildet und bis 1820 neu aufgeteilt.

Das an den Gutsherrn gefallene Gebiet kam später auch kommunalpolitisch nach Dahlwitz. Münchehofe verlor alle Flächen nördlich und südlich der Frankfurter Chaussee von der Dahlwitzer Erpebrücke bis zu einem schmalen Gebietsstreifen an der Ostgrenze, der Münchehofe mit der bei Bollensdorf gelegenen „Holländermühle“ verband. Ravenstein und die Heidemühle gelangten gleichfalls nach Dahlwitz, während das „Holländer“-Areal im 20. Jh. Neuenhagen zugeordnet wurde. Eine nach 1820 am westlichen Rand der Ortslage errichtete Bockwindmühle (siehe Abb.) brannte 1904 aus.

 

Anfang des 20. Jh. kam es zu erheblichen Veränderungen im Orts- und Landschaftsbild von Münchehofe. Die Gemeinde Friedrichsfelde erwarb einen großen Teil der Gemarkung für die Verrieselung ihrer Abwässer. Daraus entstanden später das Berliner Stadtgut Münchehofe und schließlich das Klärwerk, der größte in Münchehofe ansässige Betrieb, der sich nach wie vor im Besitz der Stadt Berlin befindet. Große Ackerflächen im südöstlichen Teil der Gemarkung wurden gleichfalls von ihren bäuerlichen Besitzern veräußert; hier entstand die „Kolonie Neu-Friedrichshagen“ als Siedlungserweiterung in Richtung Süden. Im nord-westlichen Grenzbereich der Gemarkung hatten sich im Gefolge der Rennbahnentwicklung (siehe Bereich Dahlwitz-Hoppegarten) schon 1875 die „Trainieranstalten Mönchsheim“ angesiedelt.

Mehr und mehr wurde so aus dem Bauerndorf eine Vorortsiedlung, deren Bewohner überwiegend andernorts einer Tätigkeit nachgingen. Agrarproduktion blieb jedoch ein wichtiges wirtschaftliches Standbein, zumal auf den Rieselfeldern und anderen Flächen des Berliner Stadtgutes auch Gemüseanbau und Ackerwirtschaft betrieben wurden. In den DDR-Jahren spielte die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft eine ähnliche Rolle für Münchehofe.

Nach 1990 kamen viele Ländereien wieder in den Privatbesitz ihrer alten Eigentümer; einiges davon wurde dann - dem Siedlungsdruck aus Richtung Berlin folgend - in Bauland umgewandelt. 

Damit vergrößerte sich die Siedlungsfläche weiter und die Einwohnerzahl stieg stetig. Der Pferdesport wurde zu einem wichtigen Erwerbszweig und es entwickelten sich nach der Wende insgesamt fünf Pferdehöfe. In diesem Zusammenhang entstand auch das Landgasthaus „Remonte“ (in Kombination mit dem daneben liegenden Reitsportzentrum) und wurde für Reitsportinteressenten und viele andere Besucher zu einem attraktiven Anziehungspunkt des Ortsteils.

Prof. Dr. Dau

 

Literatur: Münchehofe im Wandel der Zeiten. Beiträge zur Geschichte eines märkischen Dorfes vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Hg. v. Kulturverein „Grünes Tor“, Hoppegarten 2010